Die Anforderungen an eine zeitgemäße Unternehmensinsolvenzverwaltung führen dazu, dass diese weit mehr benötigt als einen guten Insolvenzverwalter. Sie verlangt eine Organisation, die sämtliche Aufgaben auch in großen Verfahren erfüllen kann. Ein solche Organisation hat sich jetzt als genossenschaftliches Netzwerk gegründet: die Vereinte Insolvenzverwalter eG. Ein Porträt.
Die beiden Ökonomen Norbert Beigel und Timo Petermann sind die Chefs einer Unternehmensberatung in Biberach an der Riß, die auch die Insolvenzverwaltung in ihrem Portfolio hat. Die Praxis bei Insolvenzen zeigt auf, dass die Amtsgerichte dazu neigen, stets die großen Insolvenzverwalter zu bestellen. Dies gilt vor allem für größere Aufträge, die viel spezialisiertes Personal binden. Personal, das kleinere Insolvenzverwalter nicht vorhalten können. Dieser Routine wollten die Initiatoren, die Leonberger Rechtsanwaltskanzlei Schmidt Schäfer & Kollegen und die Biberacher Wirtschaftskanzlei Beigel Petermann & Partner etwas entgegen setzen. Die Herausforderung bestand darin, ein Netzwerk von Insolvenzverwaltern zu knüpfen, „das genauso leistungsfähig ist wie eine große Gesellschaft", so Norbert Beigel. Ein weiterer Aspekt: „Wir brauchten eine Lösung, die auch die Rechtsanwaltskammer zufriedenstellt", ergänzt Timo Petermann. Die Rechtsform der eG tat dies. Petermann ist nun Vorstandsmitglied der Vereinten Insolvenzverwalter eG. Norbert Beigel ist stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Neugründung (www.insolvenzverwalter-eg.de), die seit Ende Juli 2011 Mitglied im BWGV ist.
Veranstaltung „Genossenschaften? Ja, bitte!" überzeugte
Die entscheidende Weichenstellung erfuhr die Initiative, deren Idee vor vier Jahren entstanden war, Anfang Mai 2010. Norbert Beigel und der heutige Aufsichtsratsvorsitzende, Rüdiger Schmidt, hatten sich für eine vom BWGV angebotene Vortrags- und Diskussionsveranstaltung bei der Handwerkskammer Ulm angemeldet. Deren Titel: Genossenschaften? Ja, bitte! Zukunft durch Kooperation. „Dort wurde eindrücklich aufgezeigt, welche Chancen die Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft auch für Freiberufler bietet. Die Genossenschaft verbindet die Vorteile der Eigenständigkeit mit den Vorteilen eines starken Netzwerkes", sagt Beigel.
Das Rechtskleid „eG" passt, sind die Gründer überzeugt. Mitgeschneidert haben von Seiten des BWGV Gründungsberater Michael Roth, Rechtsanwalt Dr. Mathias Klasen und auch Verbandsdirektor Gerhard Schorr. „Mit der Betreuung des Verbandes in der Gründungsphase sind wir sehr zufrieden", lobt Genossenschaftsvorstand Timo Petermann. „Die Mitgliedschaft ist einfach erwerbbar und die Unabhängigkeit der einzelnen Kanzleien ist gegeben", bringt es Petermann auf den Punkt. Die Genossenschaft verfolgt das Ziel, einen interdisziplinären Austausch zwischen den Mitgliedern darzustellen und bei Unternehmensinsolvenzen mit Personal, Sachmitteln sowie Know-how über die gesamte Bandbreite von Recht, Betriebswirtschaftslehre und Steuern zu gewähren. So steht es auch in der Präambel der Satzung der Genossenschaft. Ein weiteres Ziel ist es, den Richtern und Rechtspflegern „die Möglichkeit zu eröffnen, bei der Verwalterwahl auf Insolvenzverwalterbüros zurückgreifen zu können, welche den gemeinsamen Qualitätsanforderungen auf der Basis der satzungsgemäß festgelegten Berufsgrundsätzen des Verbandes der Insolvenzverwalter Deutschlands e.V. und den Vorgaben des Bundesarbeitskreises Insolvenzgerichte e.V. verpflichtet sind".
Regionale Mitglieder für überregionales Netzwerk
Mitglieder sind regional tätige Insolvenzverwalter, die von Amtsgerichten in Baden-Württemberg und Bayern bestellt werden. Das „überregionale Netzwerk der Spezialisten", so Beigel, hat Mitglieder, die bei den Insolvenzgerichten Aalen, Augsburg, Freiburg, Karlsruhe, Neu-Ulm, Ravensburg, Rottweil, Stuttgart, Tübingen und Villingen-Schwenningen bestellt beziehungsweise gelistet sind. Das Szenario: Ein Insolvenzverwalter der Kooperation wird für einen größeren Insolvenzfall bestellt. Er benötigt für ein zügiges Verfahren zusätzliche Arbeitskraft und/oder Expertenwissen. Dies holt er sich über die Genossenschaft.
Die Vereinte Insolvenzverwalter eG hat aktuell sechs Mitglieder aus Biberach, Eislingen, Leonberg, Tübingen und Villingen- Schwenningen. Weitere Interessenten klopfen an. Wer kann Mitglied werden? Die Mitgliedschaft in das Insolvenzverwalter- Netzwerk können Rechtsanwälte, die als Insolvenzverwalter tätig sind, beratende Betriebswirte und Diplom-Kaufleute, Steuerberater, Steuerbevollmächtigte und Wirtschaftsprüfer erwerben. Ebenso Sozietäten, die nach dem jeweiligen Berufsrecht der darin tätigen Personen zugelassen sind, und Partnergesellschaften, deren Partner ausschließlich die vorgenannten Personen sind. „Zur strategischen Positionierung wird die eG von einem Beirat aus Vertretern von Kreditinstituten in ihrem Wirkungskreis beraten", sagt Petermann, der betont, dass die eG „genügend Zeit zum Wachsen" erhält.
Gunter Endres
(aus GenoGraph 10/2011)
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