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Geht nicht gibt's nicht: Wie eine genossenschaftliche organisatorische Agentur mehr Werbung für den Euro bieten will

Mit Paragraph eins fängt alles an


Die Werbeagentur Paragraph eins hat keine Mitarbeiter, sondern nur Mitglieder. Das Kommunikationsunternehmen hat eine für die Werbebranche untypische Rechts- und Betriebsform. Paragraph eins ist eine Genossenschaft. Nicht nur hierdurch wollen sich   die „Kommunikationsgenossen“, wie sie sich selbst nennen, von den normalen Werbeagenturen abheben, sondern auch durch ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis und den Kundenstamm.

Von der Idee bis zur Gründung
Im Oktober 2005 wurde Paragraph eins gegründet. Christian Alberti, heute Vorstand unter ansonsten gleichberechtigten Genossenschaftsmit- gliedern, hat sich mehr als ein Jahr Zeit gelassen, bis er sein Vorhaben realisiert hat. Bei Prüfern, Kunden und Kollegen stieß die Idee einer Kommunikations- genossenschaft auf positives wie auch negatives Echo. 



                           Christian Alberti

Von „Lass es“ bis „Mach es“ habe er alles gehört. „Heute sind wir stolz auf unsere Unternehmensform und bereuen nichts“, so der Vorstand. Gegenwärtig arbeitet ein Großteil der derzeit 14 Mitglieder auf 600 Quadratmetern in der Münchner Schönstraße. Alle halten im Moment einen von maximal drei satzungsrechtlich möglichen Genossenschaftsanteilen. Jedes der Mitglieder hat sein Spezialgebiet, von der Beratung über Multimedia und digitale Großbildproduktion bis hin zu Grafik- oder Webdesign. Tritt ein Kunde an die Genossenschaft heran, wird je nach Bedarf ein Projektteam  zusammengestellt. Diese Teams bestehen je nach Umfang des Auftrags aus mindestens drei Mitgliedern: einem Texter, einem Art Director und einem Berater. Das Honorar wird je nach Arbeitsanteil auf die Teammitglieder aufgeteilt, 15 Prozent davon müssen an die Genossenschaft abgeführt werden. Zu den bisherigen Mitgliedern sollen nach Albertis Angaben dieses Jahr noch zwei Auszubildende kommen, ganz nach dem Motto „Ausbildung als Förderauftrag“. „Die Zeiten sprechen für uns und die Rechtsform eG. Für mich ist die Genossenschaft pragmatischer, strukturierter und effizienter als eine Kapitalgesellschaft“, analysiert der Vorstand.

Mit einem Honorarvolumen von mehr als 450.000 Euro und einem Bruttoertrag von mehr als 34.000 Euro steht Paragraph eins in seinen Worten „recht ordentlich“ da. Mittelstandskunden des Kommunikationsunternehmens sind zum Beispiel Bosch und Siemens-Hausgeräte oder der Waffel- und Schokoladenhersteller Loacker. Zu den häufigsten Aufträgen zählen die Gestaltung von Internetseiten, Messeeinladungen, Imagefilmen und Broschüren.

Mehr Werbung für den Euro
Auf der eigenen Internetseite wirbt Paragraph eins mit „Einfach  mehr Werbung für den Euro“. Dies will die Genossenschaft durch Erfahrung und Motivation der Mitglieder gewährleisten. Alberti erklärt, dass sich seine Kollegen und er als eigenverantwortliche Unternehmer sähen, die sich über die Genossenschaft voranbringen wollten. Da es bei Paragraph eins keine Vorzimmer gibt, könne man direkt mit einem verantwortlichen Mitglied sprechen und müsse nicht für einen kostspieligen Verwaltungsapparat mitbezahlen, erklärt Alberti. „Wir sind kein Billiganbieter, aber bei uns stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis“, fasst er zusammen.

Alberti und seine Mitstreiter kommen alle aus Großagenturen. Er selbst sei nun schon 25 Jahre in der Werbebranche. Die Zielgruppe von Paragraph eins unterscheidet sich allerdings von der anderer Werbeagenturen. Die Kommunikationsgenossenschaft will inhabergeführte Mittelständler und Existenzgründer ansprechen. Gewöhnliche Agenturen arbeiteten mit Millionenbudgets und seien daher oft nicht in der Lage, dem Mittelstand passende Lösungen zu bieten, so Alberti. „Mittelständler und Gründer können ihr Geld nur einmal ausgeben und müssen jeden Euro zweimal umdrehen. Diesen Unternehmen wollen wir maßgeschneiderte Lösungen bieten“, fügt er hinzu. Für die Zukunft hat Alberti auch schon Pläne geschmiedet: „Wir wollen in kleinen Zellen wachsen. Die Marke Paragraph eins soll ein Gesicht bekommen“, verrät der Chef der Kommunikations-eG. Dabei sei geplant, neue Mitglieder aufzunehmen und verstärkt mit anderen Genossenschaften, vor allem aus dem IT-Bereich, zusammenzuarbeiten. Alberti ist davon überzeugt, dass es schon bald weitere Genossenschaften in der Werbebranche geben wird. Es hätten sich schon Interessenten bei ihm gemeldet. „Vielleicht fangen ja dann nicht nur Gesetzestexte mit Paragraph eins an“, zeigt er sich zuversichtlich.                                                                  Christoph Spöckner

 


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