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Kinderärzte organisieren sich neu

PädNetzS eG

 Sie kämpfen für eine bessere Vorsorge bei Kindern, sie organisieren einen gemeinsamen Einkauf und gemeinsame Forschung: Im April 2008 haben 74 Kinderärzte aus Baden-Württemberg die „Genossenschaft der fachärztlichen Versorgung von Kindern und Jugendlichen PädNetzS“ gegründet, nach einem guten Jahr ist die Mitgliederzahl bereits auf 215 angewachsen.

 
Foto: Gerd Wolpert

Die Genossenschaft kämpft darum, den hohen Stellenwert der kinderärztlichen Betreuung sichtbar zu machen und durch entsprechende Honorarvereinbarungen mit den Krankenkassen zu unterlegen. Solche Sonderregelungen sind in den Zeiten des Gesundheitsfonds für Hausärzte möglich und zu ihnen zählen die Kinderärzte.

Vorsorge für Kinder lohnt sich doppelt
„Wir wollen, dass Kinder am medizinischen Fortschritt teilnehmen können, dass sie in der Breite besser versorgt werden“, betont Dr. Rudolf von Butler, Vorstandsvorsitzender der PädNetzSGenossenschaft. „Vorsorge ist das A und O.“ Die Ärzte sehen, dass viele Kinder an oder unter der Armutsgrenze leben. „Vor allem für diese Kinder müssen die Chancen verbessert werden.“ Es gehe darum, Fehlernährung oder Sprachstörungen, die Entwicklungschancen eines Kindes dauerhaft beeinträchtigen können, frühzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren.

Vertrag aus Bayern als Vorbild

Die PädNetzS-Genossenschaft setzt sich für die richtige Vorsorge sowie den Ausbau der Prävention ein. Sie kämpft dafür, einen Vertrag nach Baden-Württemberg zu übertragen, den die AOK Bayern mit dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte für die ärztliche Betreuung der bei ihr versicherten Kinder und Jugendlichen abgeschlossen hat. Inhalte dieses Vertrages sind mehr und umfangreichere Vorsorgeuntersuchungen, eine bessere Begleitung von Eltern bei Erziehungsschwierigkeiten und eine rasche Infektionsdiagnostik, die unnötige Antibiotikabehandlungen von Kindern vermeidet. „Der Vertrag sorgt für gesündere Kinder. Er setzt hohe Qualitätsmaßstäbe für die Arztpraxen, bietet aber auch eine angemessene Vergütung“, betont Dr. von Butler. In Baden-Württemberg laufen zwischen der PädNetzS und Betriebskrankenkassen gute Gespräche über einen solchen Vertrag, die AOK im Land entziehe sich aber bisher dem Thema und leite mit ihrem Hausarztvertrag die Kinder eher noch zu den Allgemeinärzten um. Die Kinderärzte wissen, dass umfassende Vorsorge nicht „bloß“ die Schulchancen eines Kindes verbessert, sondern sich für das Gesundheitssystem auch finanziell lohnt. Das haben die Ultraschalluntersuchungen des Hüftgelenks bewiesen, die seit fast 20 Jahren bei Kleinkindern im Alter von drei bis sechs Wochen durchgeführt werden. Die deutliche Zunahme von Sprachentwicklungsstörungen, von psychischen und körperlichen Fehlentwicklungen sowie die starke Zunahme übergewichtiger Kinder verdeutlicht, wie notwendig eine verbesserte Prävention ist. Um auf diesem Gebiet weiterzukommen, organisiert die Genossenschaft auch öffentlichen Druck. Bereits über 110.000 Eltern haben unterschrieben, dass sie Politik und Krankenkassen auffordern, die Versorgung beim Kinder- und Jugendarzt auszubauen und mit geeigneten Honorarverträgen zu sichern.

Gemeinsamer Einkauf und gemeinsame Projekte

An zweiter Stelle der Prioritätenliste steht für die Ärztegenossenschaft eine klassische Funktion: der gemeinsame Einkauf. Der Scharlachschnelltest ist in den Kinderarztpraxen ein Massenartikel. Wer ihn für sich allein eingekauft hat, musste bisher oft doppelt so viel bezahlen wie bei der Sammelbestellung über PädNetzS. Die Ersparnis wird zur einen Hälfte an die Mitglieder weitergegeben, zur anderen finanziert sie die Genossenschaft mit. Und schließlich geht es der PädNetzS darum, die Tagesabläufe in den Arztpraxen zu verbessern. Über 40 Ärzte arbeiten an entsprechenden Projekten mit, wo es zum Beispiel darum geht, ein Qualitätsmanagement zu entwickeln oder Patienten- und Elternschulungen zu organisieren. Ganz wichtig ist den Kinderärzten in der Genossenschaft die Forschung: „Im ganzen ambulanten Bereich wissen wir relativ wenig darüber, welche medizinische Maßnahme welchen Effekt hat.“ In Zusammenarbeit mit der Kinderklinik Tübingen soll jetzt ein großangelegtes Projekt erforschen, wie am besten die Früherkennung von Sehfehlern verbessert werden kann.                             
                                                                                                       Reinhard Bock-Müller

(Erschienen in GENOGRAPH 11/2009)

 


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