Genossenschaft macht junge Designer unabhängig von großen Agenturen Auf der Suche nach neuen Textildesigns werden Modeunternehmen seit kurzem auch im Internet fündig. Ein paar Mausklicks und die Eingabe eines Registriercodes genügen, und schon treffen die Einkäufer auf einen ganzen Katalog von Entwürfen junger, selbständiger Designer. Möglich macht dies eine junge Genossenschaft aus Weil am Rhein im badischen Landesteil Baden-Württembergs, „the seed eG“. Die Idee des seit gut einem Jahr ins Genossenschaftsregister eingetragen Unternehmens: Mit Hilfe einer selbst entwickelten, internetbasierten Software sammelt und katalogisiert the seed Textildesigns von freischaffenden Designern oder Studenten, führt die Entwürfe zur Marktreife und verkauft sie dann an den jeweiligen Kunden. Gleichzeitig bietet die Software die Möglichkeit, Projekte online und in Echtzeit über den gesamten Erdball hinweg zu besprechen und somit in kürzester Zeit zu realisieren.
„Unser Wunsch ist es, dass sich Kreative in einem freien, fairen und menschlichen Arbeitsumfeld entfalten können. Dadurch sollen Motivation und Engagement gefördert, Kernkompetenzen und Individualität gestärkt werden. Ohne den Druck von Vorgesetzten und ohne die Belastung durch fachfremde Arbeiten sollen innovative Ideen entstehen, die echte Trends setzen können“, formuliert Thomas Hann, einer der drei Vorstände, die Philosophie der the seed eG.
Der erste Schritt auf diesem Weg war daher die Demokratisierung des Unternehmens und die Entscheidung für die Rechtsform einer eingetragenen Genossenschaft.
Die Idee, eine Genossenschaft zu gründen, entstand bereits im April 2003. Mehrere junge Designer hatten vor, sich von den großen Designagenturen zu lösen und eine gemeinsame Vermarktung von Textil-Designs zu entwickeln. Aktuell zählt the seed eG bereits 15 Genossenschaftsmitglieder, überwiegend aus kreativen und kreativ organisierenden Berufsgruppen wie Grafikdesigner, Programmierer, Multimedia Producer, Sounddesigner, Kulturmanager sowie Betriebswirte. Im Netzwerk hat das Unternehmen außerdem Zugriff auf Kamerateams, Regisseure, Fotografen oder
Textildesigner.
the seed ist mittlerweile weit mehr als einer Agentur für Textildesign. Das Leistungsspektrum hat sich stark erweitert und konzentriert sich heute hauptsächlich auf Film (Realfilm sowie 3D Film), Webdesign und Print.
Textildesign macht aufgrund der aktuellen Marktsituation (Billigkonkurrenz aus Südeuropa) nur noch einen geringen Anteil am Umsatz aus. Die größte Stärke der seed eG liegt darin, aufgrund des Netzwerkes für jeden Kunden den passenden Stil beziehungsweise Designer zu finden. Somit kann the seed im Gegensatz zu Agenturen mit einem festen Mitarbeiterstamm größtmögliche Individualität und als Resultat daraus ein qualitativ hochwertiges Ergebnis garantieren.
Kreativität bedeutet Freiraum
Die the seed Kreativgenossenschaft bietet ihren Mitgliedern Freiraum für Kreativität, denn alle fach-fremden Arbeiten, von der Akquisition bis zur Rechnungsstellung, werden von Projektmanagern der Genossenschaft erledigt. Als Mitglied des Netzwerks erhalten die Designer interessante, zu ihrem persönlichen Stil passende Aufträge mit verlässlicher, angemessener Vergütung. Durch die internationale Vernetzung entstehen zudem spannende Gemeinschaftsprojekte, durch individuelle Entfaltungsmöglichkeiten authentische Produkte. Die Mitarbeiter der the seed eG sitzen weltweit mit Konzentration auf Europa. Die Hauptbüros befinden sich in Weil am Rhein (12 Mitarbeiter) und Freiburg (3 Mitarbeiter). Die Aufträge werden in Einzelaufgaben zerlegt und entsprechend des passenden Stils, des Preises und der benötigten Zeit an die Kreativen weitergeleitet. Die sind sowohl direkt in den beiden Büros als auch in ganz Europa beheimatet.
Aber nicht nur virtuell, sondern auch physisch präsentiert sich die Genossenschaft bei wichtigen Design- und Textilmessen im In- und Ausland. Durch die eG ist es den Gründern gelungen, einen Weg zu finden, der es den unabhängigen Designern ermöglicht, sich auf ihre eigentliche Tätigkeit zu konzentrieren und den Design-Zwischenhandel über die großen Design-Agenturen auszuschalten. Mittlerweile hat die Genossenschaft ihr Angebot ausgeweitet und bietet vielfältige Produkte rund um die Themen Marketing, Grafikdesign, Webdesign/Multimedia, Texterstellung, Textildesign, corporate fashion und Sounddesign an. Die Projektrealisation durch Print, Programmierung oder die Organisation von Events und Messen runden das Angebot der Genossenschaft ab. „Unser Geschäftsmodell funktioniert sehr gut, der genossenschaftliche Hintergrund schafft für alle Beteiligten eine sehr große Sicherheit. Der Umsatz der the seed eG hat sich im ersten Jahr ihres Bestehens bereits verdoppelt und unsere Auftragslage ist sehr gut“, zeigt sich Thomas Hann auch mit Blick auf die Referenzen seines Unternehmens wie Camel Active, Merkur Spielotheken, Helvetia Versicherungen oder auch Hugo Boss sehr zuversichtlich. Weitere Informationen auch unter www.theseed.de.
Aus GENOGRAPH 1/2009
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