Für Franz König ist Strom Tagesgeschäft. Als geschäftsführender Vorstand der Elektrizitätsgenossenschaft Wolkersdorf und Umgebung ist er seit über 20 Jahren in der Energiebranche tätig. 1998 gründete er mit Kollegen von acht anderen Stromversorgern die Einkaufsgenossenschaft Energieversorgungsunternehmen.
Den Strommarkt in Deutschland dominieren vier große Konzerne, die rund 80 Prozent des Stroms produzieren: E.ON. EnBW, Vattenfall und RWE. Auch die Berichterstattung in den Medien beherrschen sie. Dennoch gibt es in Deutschland in diesem Bereich rund 800 zumeist mittelständische Versorgungsunternehmen. Sie sind kommunales Eigentum, im Privatbesitz oder genossenschaftlich organisiert. Tätig sind diese Firmen überwiegend im Energievertrieb oder als Netzbetreiber. Vor zehn Jahren erwartete die Branche mit Hochspannung das neue Energiewirtschaftsgesetz. Dieses sollte Stromerzeugung, -handel und -vertrieb weitestgehend liberalisieren. Die Versorgungsnetze blieben dagegen monopolisiert. Die Liberalisierung des Strommarktes sorgte vor allem bei kleinen und mittelständischen Versorgungsunternehmen für Aufregung. Experten prognostizierten damals, dass es im Lauf eines Jahres noch höchstens 50 bis 100 Stromversorger geben würde. Um ihre Position auf dem Energiemarkt zu stärken, entschloss sich eine Reihe kleinerer Energieversorger im Februar 1998 zur Gründung der Einkaufsgemeinschaft Energieversorgungsunternehmen. Die EGEVU ist eine Genossenschaft mit dem Ziel. kleine und mittlere Energieunternehmen zu fördern.
Gemeinsam stark
Seit seiner Gründung ist die EGEVU auch Mitglied des Genossenschaftsverbands Bayern. Die Entscheidung für die genossenschaftliche Rechtsform sei schnell gefallen, sagt Vorstandsvorsitzender Franz König: „Ich habe immer etwas für die eG übrig gehabt und außerdem ist sie die einzige demokratische Unternehmensform, bei der sich die Mitglieder auf gleicher Augenhöhe begegnen." Zunächst habe man Schwierigkeiten gehabt, die sieben Mindestmitglieder für das Projekt zu finden. erinnert sich König. „Als die EGEVU dann aber erst einmal gegründet war, konnten wir uns vor Anfragen gar nicht mehr retten", sagt er stolz. Zwei Monate später hatte die eG 19 Mitglieder, Ende 1998 bereits 36. Heute sind 54 Unternehmen aus dem süddeutschen Raum in der Genossenschaft organisiert. Die Aufgaben der EGEVU sind vielfältig. Schon bei den ersten Gründungsgesprächen war klar, dass die Arbeit der Genossenschaft auf vier Säulen fußen sollte: dem Materialeinkauf, dem Stromeinkauf, der Interessenvertretung und der Beratung der Mitglieder. Den größten Umsatz macht die eG mit dem Stromeinkauf: Er betrug 2007 rund 27 Millionen Euro. Doch die Möglichkeiten der Genossenschaft, beim Stromkauf auf den Preis Einfluss zu nehmen, sind beschränkt. Seit 2002 wird der Strom an der European Energy Exchange, der Leipziger Strombörse, gehandelt. Der Preis ist also nicht länger von langfristigen Lieferverträgen abhängig, sondern wird stündlich neu durch Angebot und Nachfrage ermittelt Die Genossenschaftsmitglieder profitieren trotzdem vom gebündelten Einkauf. "Der Stromverbrauch eines Touristenzentrums findet zu anderen Zeiten statt als in einem Industriestandort", so der Vorstand. Teuer sei die Energieversorgung aber gerade in den Stoßzeiten, den sogenannten Energiespitzen. Kaufen die Versorger gemeinsam ein, gleicht sich der unterschiedliche Stromverbrauch der Mitglieder zu einem gewissen Teil aus. Die Energiespitzen fallen weniger ins Gewicht, der Strom wird dadurch preiswerter. Immer wichtiger ist die Genossenschaft aber als Interessenvertretung geworden. Als die EOEVU ihre Arbeit aufnahm, habe es keinen bundes- beziehungsweise europaweit tätigen Verband gegeben, der sich für die Belange von kleinen und mittleren Energieversorgern einsetzte, sagt König. "Außerhalb Bayern war den meisten Politikern gar nicht bewusst, dass es so kleine Stromversorger, wie es unsere Mitglieder sind, überhaupt gibt." Die großen Verbände hätten die Unternehmen schlicht und einfach nicht repräsentiert, so der Vorstand. Die EGEVU nahm sich dieser Aufgabe an. Sie intensivierte die Zusammenarbeit mit kleineren Energieversorgern in Österreich und nahm sich den Kooperationen deutscher Kommunalkraftwerke an. Außerdem bauten König und seine Mitstreiter ihre Kontakte zu Vertretern in der Bayerischen Staatsregierung, in Berlin und Brüssel aus. Als die Bundesregierung 2004 eine Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes anstrebte, die vor allem kleinere und mittlere Energieversorger belastet hätte, begannen diese Netzwerke zu arbeiten. In unzähligen Einzelgesprächen gelang es der EGEVU, mehr und mehr Politiker für sich zu gewinnen, so dass zumindest die existenzgefährdenden Passagen aus dem Gesetzesentwurf entfernt wurden. 2006 perfektionierte die Genossenschaft dieses System, als sie gegen den Entwurf einer Verordnung zur Anreizregulierung zu Felde zog, der ebenfalls mittelständische Energieversorger benachteiligte. Auch hier erwirkte die eG Nachbesserungen. Heiko Haffmans
Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt vom 8. 8. 2008
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