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Neun kommunale Versorgungsunternehmen beteiligen sich an der Erdgas-Einkaufsgenossenschaft enPlus

Umsatzziel: 100 Millionen Euro


Deutschlands Energiewirtschaft steht aufgrund ständig steigender Energiepreise wie selten zuvor im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Damit sie ihren Kunden auch künftig stabile Energiepreise bieten können, haben neun fränkische Versorgungsunternehmen zum Jahresbeginn 2008 die Energie-Genossenschaft „enPlus“ gegründet. AmErdgasverbund sind die Versorgungsunternehmen der Städte Bamberg, Ebermannstadt, Erlangen, Forchheim, Fürth, Herzogenaurach, Hof, Neustadt bei Coburg und Würzburg beteiligt. Ziel der Genossenschaft ist es, mit einem optimierten Erdgas-Einkauf die Wirtschaftlichkeit der kommunalen Unternehmen zu stärken und mit der Abnahme größerer Gas-Mengen den Lieferpreis zu senken. Sparen will das fränkische Unternehmen enPlus nicht nur durch verbesserte Einkaufspreise, sondern vor allem auch durch Synergien unter den beteiligten Unternehmen. „Dabei war die Gesellschaftsform einer Genossenschaft die beste Wahl“, sagt Norbert Menke, Geschäftsführer der Würzburger Versorgungs-und Verkehrs-GmbH und Vorstand des Energieverbunds enPlus. Man denke bereits jetzt an die Zukunft. „Die Genossenschaft macht es uns neben den steuerlichen Vorteilen erheblich leichter, neue Partner mit ins Boot zu nehmen“, so Menke. Denn enPlus strebe die künftige Partnerschaft mit weiteren, vor allem kommunalen Energieversorgern und anderen großen Gasverbrauchern an. „Eine Genossenschaft bietet uns dabei ein hohes Maß an Transparenz für die Mitgliedsunternehmen und eine leichte Einstiegsmöglichkeit für neue Partner“, erläutert Menke. Für weitere Mitglieder sei man offen. Das Interesse nationaler und internationaler Unternehmen, mit der neu gegründeten fränkischen Erdgas-Einkaufsgenossenschaft enPlus ins Geschäft zu kommen, ist groß. Firmenvertreter aus England, Frankreich, Italien und sogar aus den USA geben ihre Angebote ab. Denn mit einer Erdgasgesamtmenge von insgesamt sieben Milliarden Kilowattstunden sei man jetzt auch für Großanbieter attraktiv, sagt Menke. Für die Gründung der Energiegenossenschaft mit Hauptsitz in Würzburg griffen die Beteiligten auf bestehende Kontakte zwischen den regionalen Unternehmen zurück. „Nach nur einem halben Jahr war unser Gründungsprozess abgeschlossen“, sagt enPlus-Vorstand Menke. Die jeweiligen kommunalen Versorgungsbetriebe setzen auf Arbeitsteilung. Aus zahlreichen Gesprächen der Verbundpartner wird ein Pflichtenkatalog erstellt, in welchem die Tätigkeiten der einzelnen Betriebe wie EDV-Betreuung oder Marketing festgelegt werden. Die neue Genossenschaft besteht derzeit aus einem zweiköpfigen Vorstand und den Prokuristen der Gesellschaft. Dieses Team bereitet momentan das künftige operative Geschäft vor. Neben der Ausschreibung für das Gasjahr 2008/2009, das im Oktober beginnt, wird derzeit ein Risikohandbuch erstellt, das mit Richtliniencharakter die notwendigen Prozesse, Verantwortlichkeiten und Organisationsstrukturen beschreibt. „Klare Verantwortlichkeiten insbesondere auch zum Risikomanagement sind von Beginn an notwendig“, so Menke. Bislang kristallisieren sich bei der enPlus zwei Ansatzpunkte im Erdgas-Einkauf heraus: Zum einen werden die täglichen Erdgasbedarfsmengen der Kommunen von nationalen wie internationalen Anbietern bezogen. Diese großen Grundlasten, sogenannte Bänder, machen rund 80 Prozent des Einkaufs aus. Verträge über solche Abgabemengen werden mit Laufzeiten bis zu einem Jahr geschlossen. Sollte einmal außerplanmäßig zu viel Erdgas angefordert werden, können die Stadtwerke in Würzburg zum Beispiel die übrige Energie in Strom umwandeln. Zum anderen werden kleinere Mengen künftig kurzfristig, das heißt auch tagesaktuell an der Erdgasbörse angefragt und eingekauft. „Wenn alles planmäßig anläuft, setzt die Gesellschaft schon in den ersten zwölf Monaten über 100 Millionen Euro um“, erläutert der Vorstand. Angesichts der Diskussion um die ständig steigenden Energiepreise, möchte die enPlus mit stabilen Preisen bei ihren Kunden punkten. Durch die neue Aufstellung des Unternehmens im Gaseinkauf ergeben sich weit höhere Chancen für die Versorger, den bestmöglichen Einkaufspreis auf den neuen Beschaffungsmärkten zu erzielen. „Für den Endkunden bedeutet dies stabile Gaspreise und regionale Unabhängigkeit“, sagt Menke. enPlus unterscheidet sich in zweierlei Hinsicht von den großen Energiekonzernen in Deutschland: Einerseits in der wirtschaftlichen Bedeutung für die Region, andererseits im Klimaschutz. Die regionale Einbindung und Unabhängigkeit des Unternehmens sichern ein Höchstmaß an Wertschöpfung im ganzen Umkreis. „Durch Arbeitsplätze, steuerliche Abgaben und Investitionen profitieren die unterschiedlichsten Wirtschaftsbereiche der Region“, sagt der enPlus-Verantwortliche. Außerdem habe sich das Unternehmen vorgenommen, durch moderne, umweltgerechte Anlagen die Klimaschutzziele der Bundesregierung in der Region schnell umzusetzen. vs

Erschienen in Profil (Genossenschaftsverband Bayern) 4/2008

 


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