Bonn-Duisdorf. „Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele.“ Ob Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818–1888) bei seinem berühmten Ausspruch auch Briefe im Kopf hatte, ist nicht überliefert. Ganz sicher hat er aber nicht an 40 Millionen Blatt Briefpapier gedacht. Diesen Stapel hat die erst vor zwei Jahren gegründete Genossenschaft „Post-Collect“ im Jahre 2006 im Auftrag anderer Unternehmen technisch verarbeitet,gedruckt,eingetütet,sortiert, frankiert und zum Briefkasten gebracht. „Denn diese vielen Briefe vermögen eben das, was ein einzelner Brief nicht kann“, erläutert Vorstand Gerd Irlenkäuser die Geschäftsidee: „Sie sparen dem Absender bares Geld.“
Warum? „Denken Sie nur an die unzähligen Stunden, Mitarbeiter mit dem Erstellen von Rechnungen, Rundschreiben oder Briefen beschäftigt sind“, so Irlenkäuser. „Viele große Unternehmen, auch in Deutschland, haben diese Arbeitsschritte deshalb längst ausgegliedert“, sagt Irlenkäuser – zum Beispiel an Dienstleister wie Post-Collect. Jüngste Nutzer des Services sind der Elektronikkonzern Sony Deutschland und die Bekleidungsfirma Hugo Boss. Die Firmen sparen sich damit aber nicht nur Arbeitsstunden, sondern auch das Material. „Viele Drucker oder Kuvertiermaschinen in den Unternehmen sind nicht annähernd ausgelastet. Unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten ist das eine Katastrophe“, meint Irlenkäuser. Eine zusätzliche Ersparnis ist der Portorabatt. „Durch die Masse an Briefsendungen und die Vorsortierung bekommen wir von der deutschen Post natürlich verbesserte Konditionen“, so der Vorstand. 160 Mitglieder in zwei Jahren
Diese Rabatte kann die im März 2005 gegründete Genossenschaft an ihre Kunden und Mitglieder weitergeben. 160 Firmen haben sich in den letzten zweieinhalb Jahren bereits für eine Mitgliedschaft entschieden, darunter die Bank für Sozialwirtschaft in Köln und die Dachdecker-Einkaufsgenossenschaften in Hamm und Koblenz.
„Unsere Mitglieder und Kunden kommen aus allen Bereichen der Wirtschaft. Auch viele kleine und mittel-ständische Unternehmen sind dabei“, so Irlenkäuser. Eine Untergrenze, ab wann sich die Leistung von PostCollect lohnte, gebe es nicht. „Unseren Kunden entstehen keine Fixkosten, sie bezahlen nur für die tatsächlich erbrachten Leistungen.“
Briefe werden nach Postleitzahl sortiert und bei Bedarf archiviert
Und wie funktioniert es? Der Kunde liefert seine Post per Mausklick bei den 20 Mitarbeitern der Mi soft GmbH ab. Diese ist ebenfalls Mitglied der PostCollect und erledigt das operative Geschäft. Jeder Kunde hat einen festen Ansprechpartner, der entweder in Bonn-Duisdorf oder in Reichshof, den beiden Standorten der PostCollect, sitzt. „Bei der Datenübertragung werden natürlich alle möglichen technischen Mittel zum Datenschutz und zur Datensicherheit eingesetzt“, betont Irlenkäuser. Die weitere Verarbeitung erfolgt mit modernster Software. Der Brief wird aufbereitet, nach Postleitzahl sortiert, bei Bedarf archiviert und dann als Druckauftrag an das Druckerzentrum in Stuttgart-Waiblingen weitergeleitet. Hier werden rund 60.000 Briefsendungen am Tag mit modernster Druckertechnik hergestellt. Praktischerweise ist das Briefzentrum der Deutschen Post im Nachbargebäude. Die bereits frankierten Briefe landen also direkt im Postkasten. Genauer gesagt in 88 Postkästen – nach Postleitzonen und -zahlen sortiert. „Durch diese optimalen Abläufe garantieren wir, dass der Brief am nächsten Tag beim Empfänger ankommt“, sagt Irlenkäuser. Und was kostet dieser Rundumservice? „Komplett zwischen 59,5 und 64,5 Cent pro Brief“, so Irlenkäuser. „Abhängig von der Menge der Briefe, die verschickt werden.“ Eine Rückvergütung für Mitglieder soll spätestens 2009 dazukommen. „Durch immer mehr neue Kunden, die wir auch im Ausland für uns gewinnen können, hat die
Anzahl der Sendungen im Jahr 2007 bereits um 20 Prozent zugenommen“, sagt Irlenkäuser. Dadurch verbessere sich auch die Verhandlungsposition gegenüber der Post. Einen kräftigen Schub erwartet der Vorstand außerdem von der weiteren, bereits beschlossenen Liberalisierung des Postmarktes ab Januar 2008. „Da können wir mit unseren zahlreichen Mitgliedern und dem hohen Briefaufkommen natürlich ganz anders am Markt verhandeln, als das ein einzelnes Unternehmen vermag.“
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